Wer bist du Pferd?

Chacotey relaxedChacotey und Gabriele relaxedPferd - das bedeutet mehrere hundert Kilo empathische Persönlichkeit. Dazu kommt, dass Pferde grundsätzlich Flucht-, Beute,- Herden,- und Lauftiere sind. Diese Eigenschaften sind vom Instinkt gesteuert. Als Beutetier für große Raubtiere sind sie mit einem Turbo-Starter ausgestattet. Von 0 auf 100 in sehr schnell! Für den Menschen oft zu schnell. Dieser Turbo ist ein wichtiges Überlebensmodul. In Landschaften, in denen nur die Geschwindigkeit des Starts, die Beschleunigung und die Ausdauer über Leben und Tod entscheidet, ist klar, dass die Selektion dahin geht: wer am schnellsten startet und schneller als das Raubtier läuft, erlebt auch den nächsten Abend.

Bella montepelpiIsabella - Monte Pelpi ItalienEs gibt Pferde, die diesen Fluchtinstinkt verändert haben, weil sie sich einem neuen Lebensraum anpassen mussten. Wir haben z.B. Bardigiano-Pferde, die im Apennin in Italien aufwachsen. So wie die Haflinger aus Österreich und Südtirol, die auch dort teilweise noch im Gebirge groß werden dürfen, reagieren diese Pferde nicht mit einer überstürzten Flucht, wenn sie sich erschrecken, sondern bleiben erst Bella rauchbombenIsabella mit Rauchbomben - Eurochevaleinmal stehen. Sie müssen sich überlegen, wie sie wegkommen, ohne abzustürzen und dadurch ihr Leben zu riskieren. Sicher sind bei diesen Rassen nervöse und nicht lernfähige Pferde auf der Strecke geblieben. Nur kluge und ruhige Tiere haben es geschafft, in der rauhen Gebirgswelt mit dem schmaleren Nahrungsangebot zu überleben. Dadurch entstand eine Art von natürlicher Selektion, die nur die Pferde sich vermehren ließ, ( ..die anderen gab's ja nicht mehr ) die in der Lage waren, umzulernen und neue Erfahrungen an ihre Nachkommen weiter zu geben.

Pferde sind Lauftiere. Für uns ein Grund, unseren Pferden einen Offenstall mit Auslauf zu bieten, mit allem, was für ein Pferd notwendig ist. Trockene Flächen mit und ohne Dach über dem Kopf, Auslauf, der auch zu Matsch werden darf, beziehungsweise soll, Weiden und frisches Wasser, welches für jedes Pferd zugänglich sein muss.MatschbadMatschbad
Es gibt immer wieder Diskussionen über Matschflächen: Schon die Wonne eines Pferdes, das sich suhlen darf, ist Antwort genug. Es gibt aber auch begründete Argumente: Im Sommer dient eine Matschschicht dem Hautschutz. Wo das Fell durch Matsch bedeckt ist, gerade wenn dieser schön angetrocknet ist....da kann kein Moskito durch. Nach dem Reiten im Sommer werden unsere Pferde abgeduscht, damit sie sich hinterher im Paddock eine kleine Schutzschicht „anwälzen“ können. Das ist für Pferde ein Grundbedürfnis und dem Reinlichkeitsfimmel der Menschheit ein Dorn im Auge. Übereifriges Putzen aber schadet dem Pferd, da es die Schutz- und Fettschicht des Fells abträgt! Wir putzen nach dem Motto: sauber aber nicht rein!

Im Frühjahr und im Herbst haben unsere Pferde oft schon ( oder noch ) ein beachtliches Winterfell und wenn die Sonne an schönen Tagen strahlt, ist es den Pferden zu warm unter ihrem Pelz. Das treibt die Pferde in den Matsch: sie kühlen sich, indem sie einfach darin stehen oder sich mit dem Bauch in das kühle Feucht legen. Unsere Rapp-Stute kann gar nicht genug davon bekommen. Klar: sie hat auch den wärmsten Kittel an!
Für die Hufe unserer Pferde gibt es nichts Besseres als einen Walk durch die feuchte Landschaft. Natürlich müssen die Hufe wieder abtrocknen können. Durch diese Matschpackungen bleiben die Hufe geschmeidig. Dauermatsch allerdings führt zu Hufkrankheiten, Fäulnisbakterien schädigen dann den Huf. Es ist wie bei allen Dingen dieses Lebens: immer schön den Mittelweg gehen. Pferdeäpfel müssen auch in diesem Bereich abgesammelt werden. Durch Dolomitpulver wird der Verrottungsprozess immens beschleunigt, so dass sich keine Pilze oder andere unhygienische Zustände breit machen.
Bella BadenIsabella in der Kinzig / OffenburgDer Tau auf den Weiden, wenn die Pferde morgens auf die Wiesen dürfen, tut den Hufen der Tiere sehr gut. Ein Grund mehr, Pferde früh morgens auf die Wiesen zu lassen.
Frei lebende Pferde haben diese Feuchtigkeitspflege, wenn sie an Bäche gehen, um zu trinken. Entweder gehen sie durch ein Steinbett ins Wasser und befeuchten ihre Füße oder sie haben Wasserstellen mit eher matschiger Umgebung, dann geht es durch den Matsch zum Trinken. So ist die Befeuchtung der Hufe sicher gestellt.

Pferde müssen laufen dürfen, es ist ihre Natur. Sicher stehen sie auch herum, dösen, ruhen sich aus. Wer Pferde in der Gruppe erlebt, wird feststellen, dass Sun und Chacotey in actionSun und Chacotey in actionauch die Ruhezeiten voller Leben sind. Kein Mensch kommt auf die Idee, ein Reh in eine Kiste zu sperren und dies auch noch als legitime Reh-Haltung zu empfinden. Für ein in der Box gehaltenes Pferd ist der Raum, in dem es 98 Prozent seines Lebens verbringt, genau so wie die Kiste für ein Reh.
Die Pferdebox, die für ein Pferd ausreichen muss, ist kleiner als eine Gefängniszelle für seinen Insassen. Überträgt man die Maße Box-Pferd und Zelle-Mensch im Verhältnis, müssten wir Menschen unser Dasein in einem Gästeklo verbringen! Die Auswirkung auf Psyche und Gesundheit wäre für uns verheerend! Für das Pferd ist es das auch!
Ein Pferd, das in der Box gehalten wird, kann den meisten seiner Grundbedürfnisse nicht nachgehen. Dass das Nervenkostüm dieser Pferde nicht das Beste sein kann, kann man nachvollziehen. Ein Pferd, das nichts erlebt, kann die Flut an Informationen nicht verarbeiten, wenn es dann mal hinaus darf. Sie haben Angst und reagieren mit Flucht. Je länger die Inhaftierung gedauert hat, desto explosiver kann die Reaktion sein. Grund für viele Pferdebesitzer mit ihren Pferden gar nicht mehr vor die Türe zu gehen, auch nicht für einen Gang auf die Wiese, da diese Pferde sich und auch ihren Besitzer verletzen können.

Das Schlimmste, was ich bisher gesehen hatte, waren zwei Berber-Hengste, die auf einen öffentlichen Pferdehof gebracht wurden, nachdem der eigene Hof abgebrannt war. Diese Hengste wurden, von klein auf, in einer Doppel-Box zusammen gehalten. Matratzenstreu, bis sie mit den Köpfen fast an der Decke ankamen, Hufpflege bestimmt schon länger als ein Jahr überfällig. Diese Hengste standen auch auf diesem Hof in einer! Box (3 x 3 m ) zusammen. Der Besitzer ließ sich nicht sehen. EinjaehrigeEinjährige beim RaufenDer Landwirt, der die Box ausmisten wollte, traute sich an die beiden Hengste nicht heran. Ich habe sie dann in einen abgesperrten Paddock gebracht, wo ich fassungslos zuschaute, wie diese völlig verwahrlosten Pferde umherstaksten! Nach zwei Wochen täglichem „Freigang“ und Pflege habe ich sie auf eine Wiese gelassen, wo sie galoppieren ausprobierten. Die Freude über die Freiheit währte nicht lange, der Besitzer holte die Hengste wieder zurück. Das einzige Gebäude, was leider nicht verbrannt war, war der Teil mit der Pferdebox. Trotz Anzeigen passierte nichts, der Besitzer dieser Hengste ist Arzt und es gibt bis heute von den diversen Stellen keine Konsequenzen! Die beiden Hengste haben in ca. sechs Wochen gelernt, ihre Beine zu gebrauchen, Gras zu fressen und sich nicht vor allem zu fürchten, was es draußen so gibt. Die Verantwortung lag bei mir, da alle auf dem Hof Anwesenden Angst vor dem Freilassen der beiden Hengste hatten. Unglaublich, dass Menschen eher bereit sind, einer solchen Tierquälerei zuzuschauen, als zu handeln.Haflinger yeehaYeeehaa - mir san Haflinger
Viele Pferde, die in einer Boxenhaltung leben müssen, haben als einzige Möglichkeit sich zu bewegen, den Drill unter dem Sattel in einer Halle. Ich frage mich, wer glauben kann, dass ein Pferd sich über sein Bewegungsprogramm in der Reithalle freuen kann? Durch die angestaute Energie sind diese Pferde auch nicht so einfach zu handeln, wie ein Pferd, das täglich auf die Weide darf. Fazit: es wird ein Kraftakt, ein Kampf.

Menschen meinen zwar vieles gut, ignorieren aber geflissentlich, dass das, was sie tun, das krasse Gegenteil davon ist. Wenn sich alle Pferdehalter ernsthaft mit den Vorzügen einer Pferde-gerechten Haltung auseinandersetzen würden und ehrlich mit sich selbst wäre, würde es keine reine Boxenhaltung mehr geben!
Pferde, die den meisten Teil ihres Lebens in der Box verbringen, können ihre Sozialverhalten nicht leben. Das ist das Schlimmste überhaupt.
Wenn Menschenkinder im ersten Lebensjahr nicht gestreichelt werden und menschliche Nähe erfahren dürfen, sterben sie. Das ist durch ein Experiment von Friedrich II. fatalerweise bewiesen worden. Er ließ 25 Säuglingen, die in einem Turm untergebracht wurden, von Ammen eine Art Grundversorgung zukommen. Sie wurden gewickelt und gestillt, sie wurden aber nie gestreichelt und niemand sprach mit den Babies. Sinn und Zweck dieses Experiments war, herauszufinden, ob es eine Ursprache der Menschheit gibt. Friedrich hatte die Überlegung angestellt, dass kleine Kinder am ehesten eine eigene Sprache zu Tage fördern, wenn man ihnen keine andere Sprache beibringt. Da Frauen dazu neigen, mit Babies zu kommunizieren, wenn sie sich über die reine Pflege hinaus mit ihnen befassen, wurde der Körperkontakt auf das notwendigste Minimum reduziert! Alle 25 Babies starben.

Pferde schmusenSchmusig... Auch Pferde benötigen diese Streicheleinheiten, den sozialen Kontakt zum anderen!
Fohlen erleben Zuwendung von ihren Müttern, deswegen sterben sie nicht mehr an diesen später zugefügten Mängeln, - größere Kinder und Jugendliche sterben dann ja auch nicht mehr. Der Tod findet dann im Pferd, im Mensch statt. So wie der Mensch dann entweder depressiv wird oder unsoziale Verhaltensweisen zeigt, ( was wir bei unseren Kindern und Jugendlichen auch immer mehr erleben) beobachtet man auch bei Pferden „Ausgleichsverhalten“. Dazu gehört das Koppen und Weben.

Es ist für mich unfassbar, dass es etliche „Züchter“ gibt, die ein Fohlen nach einem halben Jahr bei der Mutter, alleine in eine Box stellen! Da diese heute schon in den Wintermonaten geboren werden, sind sie auch die ersten Monate ihres Lebens mit der Mutter in einer Box. Grund dafür: man kann das Fohlen ab Juni/ Juli verkaufen. Im Winter gibt es keine Käufer. Da müsste man das Pferdchen nochmal mindestens ein halbes Jahr durchfüttern und der Gewinn wäre geringer. Den natürlichen Weg, wo das Fohlen im Frühling innerhalb der ersten Wochen Weidegang auf die Welt kommt und die Mutter aufgrund des frischen Futters eine gute Milch produziert, das Fohlen auf der Koppel seine Beinchen ausprobieren kann und die Welt kennen lernt, kann sich heute anscheinend kaum ein Züchter leisten!
Wenn ich solche Dinge anprangere, verstehen das anscheinend manche Menschen nicht. Tatsächlich ist es schlicht und ergreifend unbequem, Dinge zu verändern, zum Wohl des Pferdes.
Ein Pferd, das mir einmal vorgestellt wurde, hatte ein Headshaking-Syndrom, das es sofort einstellte, wenn man ihm ein Tuch an Halfter oder Trense oberhalb der Nüstern befestigte. Sobald das Tuch auf den Nüstern lag und über das Maul hinabhing, hörte das Pferd auf, den Kopf hoch und runter zu werfen. Ich habe gefragt, wie das Pferd gehalten wird: Box mit Paddock – fein. Aber das Ganze alleine zwischen drei Hauswänden innerhalb einer Ortschaft – an der vierten Seite war ein Gehweg und die Straße! Nein, an der Haltung möchte man nichts ändern, man sei davon ausgegangen, dass ich das mit der speziellen Art mit Pferden umzugehen, auch lösen kann. Nein, kann ich nicht, wenn die äußeren Umstände nicht verändert werden. Und selbst dann ist es schier unmöglich, dass Pferde diese Ticks wieder ablegen.
Pferde brauchen körperlichen Kontakt zu ihren Artgenossen. Das gestriegelt werden vom Mensch ist beileibe kein Ersatz. Ich habe ein paar Fohlen großziehen dürfen. Das Putzen gehört zu den ersten Dingen, die ich mit dem kleinen Pferdekind übe. Beinchen hoch heben ecetera. Da kann man den sozialen Instinkt, den Pferde ausleben müssen, hautnah erleben: wenn ich ein Fohlen putze, hat dieses immer das Bedürfnis, mich auch zu putzen und an mir zu knabbern. Meine Aufgabe ist es dann, diesem kleinen freundlichen Wesen, sanft aber bestimmt zu erklären, dass Menschen nicht zurück gepflegt werden wollen! Pferde stehen immer zu zweit beieinander und schrubben dem Freund die Stellen, an die er schlecht oder gar nicht hin kommt. Tolle Sache! Es tut uns doch auch gut, wenn es irgendwo am Rücken juckt und ein anderer lieber Mensch uns diese Stelle bearbeitet, an die man nicht so gut hinkommt! Pferde haben ein unglaubliches Repertoire an „Wonne-Gesichtern“, wenn wir ihnen Stellen kratzen, die für sie nicht erreichbar sind.
Diese Kraul-Aktionen des Menschen ersetzen aber noch lange nicht die Fellpflege vom besten Pferdekumpel! Unser Reitplatz ist etwa 50 Meter vom Offenstall entfernt. Wenn sich zwei unserer Pferde schrubben, höre ich das deutlich auf dem Reitplatz. Manche Besucher sind etwas geschockt darüber, wie fest Pferde sich da anpacken. Diesen scheint es aber genau so zu gefallen. Ich sehe daran, dass ich diese Intensität an Fellpflege gar nicht nacharbeiten kann! Pferde rangelnErziehung in der Gruppe
Pferde leben ihre Freundschaften und ihre Rangansprüche in ihren Gruppen aus. Dadurch genießt ein Pferd Erziehung und wird sozial verträglich! Unser Hengst war mit einem Jahr ein richtiger Racker. Durch die Gruppenhaltung, in der zwei ältere, dominante Tiere das Sagen hatten, ist er konsequent erzogen worden. Er durfte in dieser Gruppe zwei Jahre später zwei Stuten decken: zuerst musste er sich anstrengen, um die Damen in die Rosse zu bringen. Eine der Stuten war aber dann trotz Rosse nicht bereit, diesem ungestümen Junghengst gleich nachzugeben. Er musste sie erst einmal becirzen. Nachdem beide Stuten gedeckt waren, die Rosse vorbei war, wollte Chacotey StutenChacotey bei den Stutender Hengst nicht einsehen, dass die Love-Story ein Ende hatte. Als er die Stuten weiter bedrängte, wurde er von beiden „abgeschlagen“ Das hört sich nett an, heißt aber übersetzt: die Mädels haben ihm so das Fell über die Ohren gezogen, dass der Hengst mit einem Blick zu mir an den Zaun kam, als wollte er sagen, hol mich bitte hier heraus. Er zog sofort wieder in seine Herren-WG und hatte keine Lust mehr auf die Damen. Er hat folgerichtig gelernt, dass Stuten sehr wehrhaft sind, auf keinen Fall allzeit bereit und damit hat er einen gesunden Respekt vor anderen Pferden. Das positive Ergebnis für mich und dem Umgang mit ihm: Ich kann völlig problemlos an unseren Stuten vorbei reiten. Diese haben ihn in diesem Punkt Chacotey VertrauenEntspannte Trainingspause mit Hengst. Die Stuten grasen gleich ein paar Meter weiter!erzogen. Vielleicht ein Risiko meinen wohlmeinende Pferdebesitzer, die Pferde hätten sich verletzen können. Wenn Pferde in einem Herdenverband aufwachsen, verletzen sie sich nie so, wie Pferde, die „Herde“ erst lernen müssen. Ich habe in der ganzen Zeit mit Offenstallpferden nur bei den Pferden, die nicht von Anfang an in Gruppen gehalten wurden, Eskalationen erlebt, wo wir entweder einschreiten mussten bzw. ein Pferd hinterher lahm ging. Meist waren das aber stumpfe Verletzungen, die schnell verheilten. Es dauert eine Weile bis Pferde wieder resozialisiert sind, wenn sie ihr Leben bislang in Boxen verbracht hatten.
Ein anderes schlechtes Ergebnis einer Pferdehaltung, die häufig vorkommt ist, wenn ein Fohlen ausschließlich mit seiner Mutter zusammen aufwächst. Schon als Jährlinge haben sie die größten Probleme, wenn sie sich dann mit einer ganzen Pferdehierarchie auseinandersetzen müssen. Sie haben weder Respekt, noch eine Ahnung, wie „Pferd“ sich verhält. Das sind anti-autoritär erzogene Pferde-Kinder. Bei diesen Tieren kann man asoziales Verhalten sehen. Wir hatten eine Gaststute, die - bis sie vier Jahre alt war, mit ihrer Mutter zusammen lebte. Sie respektierte den Fohlenschutz, was normalerweise selbstverständlich in einer Pferde - Gruppe ist, nicht. Sie attackierte eines unserer neugeborenen Fohlen, als wir es am dritten Tag nach der Geburt mit der Mutter wieder zur Gruppe ließen. Die drei Tage zuvor waren Mutter und Kind auf der benachbarten Koppel, so dass die Herde das Fohlen und das Fohlen umgekehrt die Pferdegruppe beobachten konnte. Nach dem ersten Angriff der Stute nahmen die ranghohen Tiere Stellung neben dem Neugeborenen und ließen es nicht mehr aus den Augen. Kam die besagte Stute in die Nähe, ging der Chef der Gruppe auf sie los und vertrieb sie. Nach ein paar Tagen war das ein sehr stressiger Job für die beiden Aufpasser, da das Fohlen seine Beine entdeckte und in etwas unkontrollierten Galoppaktionen davon schoss! Sobald die Stute das Fohlen alleine sah, machte sie Kurs auf ihn. Nur die permanente Aufmerksamkeit der ranghöchsten Tiere in der Gruppe, die dieses Verhalten sofort ahndeten, brachte die Stute dazu, ihr Verhalten aufzugeben.
Chacotey SunHengst und WallachProblematisch sehe ich auch die isolierte Hengsthaltung. Es gibt ganz intensive Mensch-Hengst-Beziehungen, die funktionieren. Keine Frage. Meine Erfahrung ist, dass Hengste, die mit einem oder mehreren Wallachen zusammen in der Gruppe leben, sehr viel ausgeglichener sind, als Hengste, die ihr Leben ausschließlich ( außer den Trainingsstunden ) in der Box verbringen.
Unser Hengst wird von einem unserer Wallache dominiert. Die beiden haben klare Regeln, die dem manchmal etwas dickköpfigen Hengst sehr gut tun. Diese Erziehungsarbeit alleine machen zu müssen, erfordert viel Kraft und sehr viel mehr Zeit. Durch die Gruppenhaltung bekomme ich vieles geschenkt!
Ein wichtiges Thema in der Pferdehaltung ist auch das Füttern der Pferde. Nicht nur das was, sondern das wie!FruehlingsgrasenFrühlingsgrasen
Pferde haben kleine Mägen, die viele kleine Mahlzeiten verlangen. Vor Jahren wurde von einer Gruppe von Tierärzten und Tierheilpraktikern Studien zum Fressverhalten und Füttern von Pferden gemacht. Sie hatten unzählige Pferd nach deren Tod obduziert und dabei festgestellt, dass ca. 90 % aller Pferde Magengeschwüre hatten. Es waren ausnahmslos Pferde, die das ganze Jahr in Boxen standen und nur zwei große Futterrationen am Tag bekamen. Das Anregen der Magensäfte durch die großen Portionen und den nachfolgenden Fress-Pausen hatte diese fatalen Folgen. Viele Pferde haben zwar eine Stroh-Einstreu, fressen davon aber verhältnismäßig wenig, weil sie darauf auch urinieren und äpfeln müssen. Da Pferde nur in den seltensten Fällen dort fressen, wo sie ihre Notdurft verrichten, fassen sie das Stroh, welches verunreinigt ist, nicht mehr an. Ich habe einige Pferde kennen gelernt, die zuerst das ganze Stroh auffraßen, bevor sie zu äpfeln anfingen. Prinzipiell legen sich Pferde, wenn sie die Wahl haben, auch nicht an Plätze, an denen sie geäpfelt oder uriniert haben. Bei einer Boxenhaltung muss ein Pferd seinem Instinkt in Sachen Sauberkeit und Gesundheit zuwider handeln. Ein Pferd hat bei Magenschleimhautentzündungen bis hin zu richtigen Magengeschwüren enorme Schmerzen, die es lediglich durch Stöhnen zum Ausdruck bringen kann!

Generell ist zu überdenken, dass das Pferd als eines der wenigen Tiere keinen Schmerzlaut hat, den die Welt hören kann. Das bisschen Seufzen oder Stöhnen, das Äußerste, was ein Pferd zustande bringt, kann leicht überhört werden. Es ist natürlich auch immer eine Sache der Interpretation: wenn das Pferd beim Reiten stöhnt, hat es doch einfach keine Lust, man muss es nur mal richtig fordern, meinen die einen, die anderen interpretieren: der ist halt noch etwas müde, deswegen bewegt er sich auch noch nicht so flott! Dass das Pferd Schmerzen haben könnte, die man von außen nicht sieht, wird überhaupt nicht hinterfragt!

Ich möchte an dieser Stelle nicht nur anprangern, was trotz aller aufklärenden Bücher und Diskussionen doch noch schief läuft. Ich möchte Verstehen erreichen, damit sich etwas verändert. Ich kann mein Pferd nicht einerseits in unverantwortliche Haltungsbedingungen zwingen, es dann mit Kraft und diversen Hilfsmittel unterm Sattel gefügig reiten und gleichzeitig tadellose Mitarbeit, Vertrauen und soziales Verhalten erwarten. Das ist einfach paradox!
Viele Menschen sind emotional gut abgehärtet, viele handeln in Unwissenheit. Verbessern wir die Haltung unserer Pferde, geben wir ihnen, was sie einfach benötigen, dann können wir mit ihnen eine Partnerschaft eingehen...mit einem Gefangenen ist das unmöglich!

Pferde sind auch Flucht- und Beutetiere und damit selbstverständlich vorsichtiger als Raubtiere. Sie taxieren ihre Umgebung gründlich ab. Das ist ein für ihr Überleben wichtiges Verhalten. Unsere Pferde müssen sich in einer Welt zurechtfinden, die vom Mensch vorgegeben wird. Wir bewegen unsere Pferde zu Orten, welche diese freiwillig nie betreten würden.
Ich hatte vor 26 Jahren das erste Mal Kontakt zu südamerikanischen Pferden. Wenn wir im Gelände unterwegs waren, hatte ein Mestizio aus Argentinien, die Angewohnheit, bevor wir uns aus einem Wald hinaus bewegten, stehen zu bleiben. Er schaute vorsichtig mit dem Kopf hinaus und überprüfte die Umgebung. Erst wenn er sicher war, dass nichts Bedrohliches vor dem Wald auf ihn wartete, lief er weiter. Rehe machen das genauso. Für ein Beutetier, die einzig richtige Art aus einem geschützten Bereich hinauszutreten. Mit der Zeit hat er herausgefunden, dass es in Deutschland keine Pumas gibt und passte sich dem Verhalten der restlichen Pferde an. Diese Umsichtigkeit und natürliche Scheu rettet dem Beutetier das Leben. Solch lebensnotwendige Verhaltensweisen wird ein Pferd aber nicht einfach vergessen, nur weil ein Mensch nebenher läuft oder auf ihm drauf sitzt! Das Pferd wird immer zuerst seinem Instinkt nachgeben. Es sei denn, es vertraut seinem Menschen so, dass es sich an ihm orientiert.
Ich erlebe auch oft, dass Pferde, die nicht rund um die Uhr draußen leben,  nervös werden, wenn es windet. Der Wind nimmt Pferden einen großen Teil des Hörvermögens und der Witterung. Pferde sehen nicht besonders gut, was sie durch Hören und Riechen wieder wettmachen. Die Chance, einen Turbostart gut vorzubereiten, hängt davon ab, wie gut ein Beutetier hört und riecht. Wenn es den Jäger sieht, kann es zu spät sein. Wind ist auf jeden Fall sehr kontraproduktiv. Also werden Pferde unruhiger, weil ihnen zwei wichtige Orientierungshilfen abhanden kommen.
Benny FlatterbandBenny im Lope (langsamer Galopp) bei Wind durch das FlatterbandtorDass ein Pferd lernen kann, trotzdem ruhig zu bleiben, wenn es stürmt, zeigte eines unserer Quarter-Horses. Seine frühere Besitzerin erzählte mir, dass er sich aufregt, wenn es windet. Sie reite ihn deswegen nie bei Wind. Er sei dann angespannt und reagiere schreckhaft. Das hat sich bestätigt. Wenn  Benny bei etwas stärkerem Wind geritten wurde, war er am hopsen. Nach einem Vierteljahr Offenstallhaltung war dieses Verhalten weg. Dieses Pferd hatte, bevor er zu uns kam, eine Boxen-Weide-Haltung, er war also viel draußen. Trotzdem hat sich seine Angst erst aufgelöst, nachdem er in der Gruppe Tag und Nacht im Freien war und einige stärkere Stürme, die alle gegen Abend und in der Nacht richtig massiv wurden, erlebt hatte. Ich habe ihn auch prinzipiell zur Bodenarbeit und später zum Reiten geholt, wenn es stärkeren Wind hatte. Pferde sind wie wir Menschen in der Lage, Fähigkeiten auszubauen und über sich selbst hinauszuwachsen. Sicher passte sich Benny auch dem Verhalten der anderen Pferde in der Gruppe an ( mich inbegriffen ), die ihm mit ihrer eigenen Ruhe und Souveränität in einer solchen Situation signalisierten, dass die Welt auch bei Sturm in Ordnung ist.
Pferde schauen sich viel von der Ruhe ihres Menschen ab. Unsere Pferde sind da ein gutes Beispiel: sie laufen über Luftballons und zertrampeln diese, traversieren über Rauchbomben und gehen in allen Varianten durch Bengalisches Feuer. Das ist kein natürliches Verhalten meinen die meisten – doch, ist es schon, wenn man nur den psychologischen Aspekt sieht. Ich bin ihr ranghöchstes Herdenmitglied und da wo ich hingehe, folgt mir der Rest der Gruppe. Also ist es eine Sache von Vertrauen und Anbindung an seinen Menschen, inwieweit mein Pferd mit mir geht und lernt, dass es sich vor scheinbar gefährlichen Dingen nicht zu fürchten braucht, solange ich da bin.
Es werden seit ein paar Jahren Theorien von Verhaltensforschern verbreitet, demnach es keine Hierarchie in Pferdegruppen geben soll. Dem kann ich mich nicht anschließen. Dann würde all das nicht funktionieren, was wir seit vielen Jahren tun. Und die Beobachtung von Pferdegruppen erzählt etwas anderes.

RangorndungRangordnung in der Gruppe
In einer Gruppe von Pferden gibt es Positionen, die sich jedes Einzelne erarbeiten und dann ständig erhalten muss. Die Intelligenz eines Tieres ist die maßgebliche Voraussetzung, um einen höheren Rang einzunehmen. Dazu kommt Durchsetzungsvermögen, die Schnelligkeit der Reaktionen und die Fähigkeit für innovatives Denken. Sie haben richtig gelesen! Nur die Tiere, die auch neue Wege gehen können, über Erfindungsgeist verfügen, können sich einer Welt, die sich ständig verändert, anpassen. Dies registrieren die anderen Herdenmitglieder. Unsere Kids würden sagen: die finden sie cool! Deswegen sind diese auch die „Chefs“.
Eines unserer Pferde beweist diese Fähigkeit permanent aufs Neue: Sun ist ein wunderbarer Erfinder! Im zarten Alter von zwei Jahren begann er über seine Karriere „nachzudenken“. Er fühlte sich augenscheinlich zum ranghöchsten Tier in der Gruppe geboren. Als solches wollte er auch gewisse Respektsbezeugungen von den anderen Pferden aus der Gruppe sehen. Diese wurden ihm zunächst einmal verwehrt. In aller erster Linie hatte seine Mama als ranghöchste Stute etwas gegen diese anmaßende Art!
Wir Zweibeiner hatten uns an einem sonnigen und heißen Sommertag daran gemacht, alle Tränken ( wir benutzen ausgediente Badewannen ) zu säubern, was gute zwei Stunden dauerte. Die Tränken hingen alle an einem Wasserkreislauf, so dass es in dieser Zeit nichts zu Trinken gab. Als das Wasser wieder lief, wollte Sun, als neuer „König“ zuerst trinken. Selbstgebastelte Monarchien werden oft nicht gleich akzeptiert, so war das auch bei Sun: Er war erst einmal damit beschäftigt, die anderen sieben Pferde von der Tränke wegzuscheuchen. Das war Stress und wenig effektiv, weil es doch immer wieder einer schaffte, seine Verteidigungslinie zu durchbrechen und zu trinken. Er selbst bekam auf diese Art und Weise auch keinen Schluck. Sun brauchte nicht viel Zeit, um sich darüber klar zu werden, dass das Ganze kontraproduktiv war. Er kletterte kurzerhand in die Wanne hinein - Problem gelöst. Er konnte in Seelenruhe trinken und die anderen waren wohl zu perplex darüber, dass Sun die Tränke auf diese Art und Weise "in Besitz" nahm.Sun BallspielBallspielen... LANGWEILIG !
Im Herbst kann man ihn beobachten, wie Pferd clever Äpfel erntet. Ich lasse unseren Hengst und Sun noch auf die Weide, auf der zwei Obstbäume stehen, solange die Äpfel nicht von alleine herunterfallen. Das ist für Sun kein Problem, das er nicht gelöst bringt: Ein Apfelbaum hat einen recht schmalen Stamm. Sun stellt sich mit seinen Hinterbeinen an den Baumstamm, klopft ein paar Mal gegen den Stamm, bis ein paar Äpfel herunterfallen. Davon frisst er die Hälfte, die restlichen Äpfel bekommt Chacotey. Hier kommt ganz klar auch eine soziale Komponente dazu! Er sorgt ganz offensichtlich für seinen Freund. Außerdem scheint er zu wissen, wie viele Äpfel seinem Bauch zuträglich sind, da er nie mehr als zwei, drei Äpfel frisst!
Dies sind nur zwei Geschichten aus einer Vielzahl an guten Ideen, die Pferde entwickeln können. Und gerade Sun ist ein unglaublich innovatives Pferd. Siehe Text in den Bildern oben :-)
Man könnte nun die Schlussfolgerung ziehen, dass ein intelligentes Pferd gleichzeitig ein ranghohes Pferd ist. Aber das ist zu einfach. Ich habe auch intelligente Einzelgänger erlebt. Diese hatten nicht die geringste Lust, sich auch nur mit einem einzigen anderen Pferd auseinander zu setzen.
Sun PylonenwerfenDas innovative Pferd holt sich eine Pylone dazu.... benutzt diese wie einen Golfschläger - und schon macht's SpaßUm ranghoch zu sein, benötigt das Pferd auch Durchsetzungsvermögen. Wie bei uns Menschen z.B. beim Arbeitsplatz, gibt es auch Pferde, die keine Lust haben, sich bis in die Spitze zu kämpfen. Das braucht Kraft und ständige Wachsamkeit, die, so lange man diesen Platz an der Spitze behaupten will, erforderlich ist.
Auch die Reaktionszeit eines Pferdes macht dieses zum Chef. In einer Situation, in der sich ein Rang-niedrigeres Tier respektlos verhält, muss der Boss nicht nur intelligent, mit minimaler Kraftanstrengung souverän reagieren, er muss auch noch schnell sein! Wer schnell und richtig, immer konsequent reagiert, ist automatisch Chef - wenn er das denn sein will.
Anfangs war mir gar nicht klar, wie die Hackordnung bei Pferden funktioniert. An einem Tag durfte ein Pferd Ohr an Ohr mit dem Boss grasen, am nächsten Tag wurde es weggejagt. Pferd A war augenscheinlich rangniedriger als Pferd B, Pferd B rangniedriger als Pferd C. Trotzdem dominierte Pferd C deutlich Pferd A! Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass es keine lineare Hackordnung gibt. Das war viel komplizierter! Ich war in der Zeit recht frustriert, weil ich gar nichts mehr verstand! Ich habe dann die einzelnen Verhaltensweisen aufgeschrieben. Ergebnis war, dass es zwei Plätze in gemischten Pferdegruppen gibt, die klar sind, ranghöchstes weibliches und ranghöchstes männliches Tier. Alle anderen Plätze sind immer in Beziehung mit dem jeweiligen anderen Pferd zu sehen.


In der Gruppe von 17 Pferden, die ich täglich beobachtete, gab es auch einen klaren Außenseiter. Er drohte jedem anderen Pferd, das auf ihn zu kam. Allerdings zog er sich, wenn die zwei ranghöchsten Tiere in die Nähe kamen, zurück. Aber auch da legte er die Ohren an, schüttelte seinen Kopf und peitschte mit dem Schweif. Übersetzt: er ging den beiden zwar aus dem Weg, stellte seinen Ärger darüber aber ganz klar zur Schau. Den anderen gegenüber war er sehr unfreundlich, zwickte sie, wenn sie ihm oder er ihnen über den Weg liefen. Ansonsten wollte er seine Ruhe.
Interessant ist, dass ein Pferd, das relativ klein gegenüber den anderen war ( 155 cm Stockmaß gegenüber den anderen ab 160 cm bis 185 cm ) die unumstrittene Herrschaft in dieser Wallachgruppe inne hatte. Dieses Pferd hatte oft Probleme mit den Beinen, so dass es mehrere Klinikaufenthalte über sich ergehen lassen musste, die bis zu vier Wochen dauerten. In dieser Zeit übernahm der frühere Chef der Gruppe sofort wieder das Ruder. Dieses Kommen und Gehen des Leittiers brachte sehr viel Unruhe, weil innerhalb der Gruppe nichts mehr passte. In einem solchen Fall verschiebt sich die Struktur im Ganzen, da die Rangordnung eben nicht linear verläuft. Da das ranghohe Pferd immer wieder aus der Klinik zurück kam, mussten die neu gewonnen Strukturen wieder revidiert werden.
Vor ein paar Jahren war unser ältester und ranghöchster Wallach etwas pflegebedürftig. Ich stellte ihn und die ranghöchste Stute der Gruppe, mit der er sehr harmonierte, in einen separaten Paddock. Daraufhin strukturierte sich die übrig gebliebene Gruppe neu. Die rangniedrigste Stute, die schon seit 10 Jahren in ihrer Position ist, wurde plötzlich zum dominierenden Tier und setzte sich auf ganzer Linie durch. Als nach ein paar Wochen die alten Chefs wieder dazu kamen, wurde diese Stute wieder entthront und das sehr rigide. Sie durfte sich nicht die kleinste Bewegung in Richtung Futter oder Unterstellplatz erlauben, ohne dass sie Druck durch die Chefs bekam. Nach ein paar Tagen war alles wieder beim Alten.
Dasselbe passierte auch, als Chacotey Stuten gedeckt hatte und Sun zuschauen konnte, da der Hengst auf einer gegenüberliegenden Weide mit den Stuten zusammen war. Er hat den Hengst, als dieser wieder zurück in den gemeinsamen Paddock kam, derart auf seinen Platz gestellt, dass ich mehrmals eingegriffen habe, da Chacotey ihn nicht proviziert hatte und ziemlich ko war.  Sun war klar: ein Hengst, der deckt, ist in einer freilebenden Herde der Alpha. Da Sun aber der dominierende Part bei den Beiden ist, stellte er den Hengst unmissverständlich wieder auf die rangniedrige Position.
In freilebenden Herden erwächst niemals so viel Unruhe, wie bei den domestizierten Pferden. Da wachsen die Gruppen natürlich zusammen und die Stutengruppe hat einen dominanten Hengst, der mit ihnen zusammen ist. Die restlichen Jungs bilden eine „Boygroup“, die hinter der Stutenherde herzieht. Wie auch Temple Gardin in ihrem Buch erzählt, müssen diese Hengste in der Gruppe gut miteinander auskommen, da ihr Überleben davon abhängt. In Wildpferdeherden wechseln die Tiere nämlich Schlafen und Wachen miteinander ab. Würden sie alleine leben, wären sie irgendwann vor lauter Erschöpfung nicht mehr in der Lage, den Jäger rechtzeitig wahrzunehmen und zu überleben. Die Hengste werden auch niemals den Leithengst herausfordern, bevor es nicht eine realistische Chance gibt, ihn zu besiegen. Jedes Pferd hat, egal ob Stute oder Hengst, seinen Platz in der Gruppe.
Forscher, so Temple Gardin, nehmen auch an, dass die Rangordnung in diesen Herden dem sozialen Frieden dient. Wenn ein Tier weiß, wo sein Platz ist und das respektiert, gibt es weniger Kämpfe um Nahrung und Partner.
Wenn wir mit Pferden arbeiten, wird vieles vom Pferdebesitzer verlangt, was er nie gelernt hat. Er muss alle Charaktereigenheiten eines ranghohen Pferdes entwickeln, wenn er einen harmonischen Umgang mit seinem Vierbeiner möchte. Dazu muss man aber erst erkennen, wie ein Pferd spricht und ihm ebenso in seiner Sprache antworten.

Das ist die Grundlage für unsere Arbeit mit Pferden.

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